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Zur Besinnung

Sonnenuntergang

Bin im Garten…
Wenn man in dieser sommerlichen Jahreszeit jemanden besuchen will,
findet man manchmal neben der Haustüre und der Klingel mit dem Namen
ein liebevoll gestaltetes Schild vor mit dem Hinweis:
„Bin im Garten“ oder „Wir sind im Garten“. Dazu vielleicht auch noch ein
Pfeil, der in die richtige Richtung weist. Eine unmissverständliche Einladung:
Wir sind da, wir freuen uns, wenn wir Besuch bekommen. Wir teilen
gerne unsere grüne Oase mit anderen Menschen.
In den vergangenen Wochen, seit ich in der Gemeinde St. Georgen als
Vertretung Dienst tue, habe ich schon so manches schöne Stückchen Erde
vor oder hinter dem Haus kennenlernen dürfen – bunte Blumen, Vogelgezwitscher,
kleine Gartenteiche mit aufgeregt herumwuselnden Goldfischen
inklusive. Oder auch ein kleines Stückchen Gartenglück auf einem Balkon,
mit Geranien, Erdbeeren und Tomaten. Herzlichen Dank für alle diese wunderschönen
Einblicke und für Ihr Vertrauen, das Sie mir damit entgegengebracht
haben!
Auch wer keinen eigenen Garten hat, hat viele Möglichkeiten, die Natur zu
genießen: in der Wilhelminenaue, im Hofgarten, in der Eremitage oder bei
Blicken über die Zäune in die Gärten anderer.
Bin im Garten…
Das könnte man auch über die ersten Kapitel der Bibel schreiben. Liebevoll
und mit viel Phantasie gestaltet Gott den Erden-Garten. Er denkt an alles,
was dort wachsen und gedeihen soll. Tiere und Pflanzen aller Art. Und er
gestaltet diesen Garten nicht nur für sich, damit er seine Freude daran hat,
sondern er stellt den Menschen mitten hinein. Sein „Bin im Garten“ ist eine
einzige große Einladung: Ich will mich nicht alleine daran freuen. Ich will
diese Freude mit euch, den Menschen teilen. Ich möchte, dass ihr hier nicht
nur Gäste seid, die wieder gehen, sondern dass ihr hier leben, aufleben und
aufatmen könnt. Ich möchte, dass ihr diesen Garten gestaltet und pflegt, so
dass ihr lange daran Freude habt.

Bin im Garten…
Gottes Garten hat keine Grenzpfähle, keinen Zaun. Er steht uns allen offen,

allen seinen Geschöpfen. Seine ganze Schöpfung ist ein einziger riesiger
Garten – für uns rund um die Uhr geöffnet, jeden Tag neu.
Der Ökologisch-Botanische Garten der Universität bietet einen kleinen
Einblick in die Vielfalt der Gewächse aus aller Welt, dass man nur darüber
staunen kann. Da gibt es in allen Regionen, selbst den unwirtlichsten,
Überlebenskünstler, die sich den Gegebenheiten angepasst haben. Zum
Beispiel riesige Kakteen, deren äußere Hülle wie eine Ziehharmonika gestaltet
ist: Bei Regen können sie sich ausdehnen und eine große Menge von
Wasser speichern, so dass sie in dürren Zeiten lange davon zehren können.
Bin im Garten…
Vielfältige Ausblicke bietet uns Gott in seiner Schöpfung an. Wie von der
Höhe oberhalb von Fenkensees bei Seybothenreuth, von der aus man in
alle Himmelsrichtungen schauen kann. Man hat den Eindruck, dass einem
Berge und Täler zu Füßen liegen. Und dort oben einen Sonnenuntergang an
einem lauen Sommerabend zu genießen, ist einfach so schön, dass einem
die Worte fehlen (siehe Titelfoto).
Bin im Garten…
Leider gibt es durch unser menschliches Verschulden auch Ein- und Ausblicke,
die uns die Gefährdung und Zerstörung in vielen Regionen der Erde
deutlich vor Augen führen. Gletscher schmelzen aufgrund der Erderwärmung
unaufhaltsam ab, die Meere sind durch unseren maßlosen Plastikkonsum
vermüllt, und einst fruchtbare Gegenden gleichen aufgrund des
hemmungslosen Abbaus von Rohstoffen inzwischen öden Mondlandschaften.
Ganz zu schweigen von den Menschen – oft auch Frauen und Kinder,
die unter unmenschlichen Bedingungen für einen Hungerlohn dort arbeiten
müssen.
Bin im Garten…
„Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket
haben“, dichtet Paul Gerhardt in seinem Lied „Geh aus, mein
Herz, und suche Freud“ (Evang. Gesangbuch Lied 503). Damit es so bleibt,
lassen Sie uns alle mithelfen, Gottes wunderbare Schöpfung zu bewahren.


Mit sommerlichen Grüßen
Ihre Pfarrerin Gudrun Saalfrank