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Zur Besinnung

Playmo-Krippe

Meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern
(Lukas 2,30-31, Monatsspruch Dezember)
Ende November gehe ich beschwingt und voller Vorfreude in den Keller und hole einen großen, schon etwas lädierten Karton hervor. Wo ist der Gärtner mit seinem Rosenstock? Wo der römische Kaiser mit seinem Soldaten? Wo die Frau und der Mann und das Eselchen?
Seit vielen Jahren haben wir eine Krippe von Playmobil. Eine Krippe mit beweglichen Figuren. Figuren, die ich auch in die Schule oder den Kindergarten mitnehmen kann, ohne Angst zu haben, dass etwas kaputt geht. Mit diesen Figuren spielen nicht nur kleine Kinder gerne!
Jahr für Jahr machen wir in unserem Wohnzimmer Platz für die Krippe und ihre Figuren. Dass ich das tue – wie viele andere Menschen auch –, liegt an Franz von Assisi, dem „Erfinder der Krippe“. Vor 800 Jahren, im Jahr 1223 errichtete er zusammen mit den Bauern des kleinen Bergdorfes Greccio in einer Höhle „eine lebendige Krippe“ mit Ochs und Esel. Er wollte den Menschen, von denen kaum jemand lesen konnte, die Weihnachtsgeschichte leibhaft, spürbar
näher bringen.
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn‘ ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?“ (EG 11,1)
An jedem Adventssonntag stellen wir andere Figuren zum Adventskranz, die ihren Teil der Geschichte erzählen.
Im Schein der ersten Adventskerze spricht der Prophet Jesaja von der großen Hoffnung: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Denn: Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isai und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“ (Jesaja 9,1 und 11,1)

Im Schein der zweiten Adventskerze kommt der Engel Gabriel zu Maria: „Fürchte dich nicht. Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesu geben.“ (Lukas 1,30-31)
Am dritten Advent verkündigt Kaiser Augustus sein Edikt; er wird begleitet von einem römischen Soldaten, dem ich die Waffen weggenommen habe: „Und es begab sich zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ (Lukas 2,1)
Am vierten Advent machen sich dann Maria und Josef auf – zusammen mit dem Esel.
An unterschiedlichen Orten unserer Wohnung stelle ich noch weitere Figuren hin: Das Jesuskind wartet im Regal bei den Gläsern zusammen mit den Engeln auf die Heilige Nacht. Die Weisen aus dem Morgenland starten ihre Reise auf der Fensterbank. Mit einem Kamel, das die Geschenke für den neugeborenen König trägt, sind sie unterwegs.
Und da sind noch König Herodes und die Schriftgelehrten. Der Stall mit der Futterkrippe. Hirten mit ihren Schafen. Ägypterinnen und Ägypter. 
Ich merke: Die Krippenfiguren nehmen mich hinein in die Weihnachtsgeschichte. Mit den Figuren, die ich nach und nach aufstelle, mache ich mich selbst mit auf den Weg zum Stall, bis ich dann an Weihnachten mit Worten von Paul Gerhardt singe:
„Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben.“ (EG 37,1)
So wie Franz von Assisi es sich gedacht hat, begreife ich mit den Krippenfiguren ein Stück weit das Geheimnis von Weihnachten: Gott kommt. Gott macht sich begreiflich. Gott kommt uns in diesem Kind ganz nahe, um uns seine Liebe zu zeigen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Advents- und Weihnachtszeit die Nähe Gottes spüren.
Es grüßt Sie herzlich 

Pfarrerin Stefanie Kögel