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Ordenskirche

Die Ordenskirche ist Teil einer einheitlich geplanten Stadtanlage: St. Georgen entstand als eigenständige Stadt des Bayreuther Erbprinzen und späteren Markgrafen Georg Wilhelm in der Barockzeit. Die ersten Häuser wurden im Jahr 1702 errichtet, die Grundsteinlegung der Kirche erfolgte 1705, ihre Einweihung 1711; 1718 war der Turm fertig. Die Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss. Zugrunde liegt dabei ein griechisches, also gleichschenkliges Kreuz. Gottfried von Gedeler war der Architekt der Kirche, Johann David Räntz erbaute den Turm über dem südlichen Ende des Kirchenbaus. Die Fassade der Kirche wird durch Wandpfeiler, sogenannte Pilaster gegliedert. Besonders hervorgehoben ist das Portal.

 

Weitere Informationen findet man auf der Webseite der Markgrafenkirchen.                         und hier                Kirchenflyer Ordenskirche

 

Ordenskirche

Ordenskirche

Ordenskirche

Der Innenraum

Wir treten durch das Portal von Westen her in die Kirche ein. Kurz stehen wir noch im Halbdunkel unter der Empore, dann aber ist es, als ob wir in eine andere Welt gelangen: Aus dem grauen Alltag in die lichte Welt des Glaubens. Von den vier Portalen, die von jeder Seite aus in die Kirche führen, gehen breite Gänge zur Mitte. Nachdem wir im Zentrum der Kirche den Taufstein wahrgenommen haben, wird unser Blick nach oben gelenkt. Über den Emporen weitet sich eine helle Decke mit reichem, weißem Stuck vor einem leicht rosa Hintergrund und einer Fülle von bunten Bildern. Schickt uns die Sonne ein paar Strahlen durch die großen, rundbogigen Fenster, dann wirkt diese Decke geradezu himmlisch.

 

Innenraum

Innenraum

Innenraum

 

 

Leuchter

 

 

Der Taufstein

Nicht in irgendeinem Winkel oder einer Seitenkapelle, sondern im Zentrum der Kirche steht der Taufstein. Er ist sechseckig, aus rosenfarbig geadertem Marmor und trägt jeweils in der Mitte der Seiten die Buchstaben G W M Z B - ein erster Hinweis auf den Bauherrn der Kirche: Georg Wilhelm Markgraf Zu Brandenburg. Die Zahl 1716 kennzeichnet das Jahr, in dem Elias Räntz, der berühmteste Bayreuther Bildhauer der Barockzeit, diesen Taufstein geschaffen hat.  Sein besonderes Prunkstück ist der Deckel mit der holzgeschnitzten Darstellung der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan. Genau über dem Taufstein ist in einem der beiden großen Deckenbilder dasselbe Geschehen dargestellt: So werden wir im Mittelpunkt des Kirchenraumes mit der Taufe auf das erste der beiden evangelischen Sakramente hingewiesen. Das andere große Deckengemälde befindet sich über dem Altar und zeigt eine Darstellung des zweiten evangelischen Sakramentes, des Abendmahls.

 

Taufstein

Taufstein

Taufstein

 

Der Altar

In den meisten Kirchen würde der Altar in Richtung Osten liegen - der aufgehenden Sonne und damit Ostern entgegen. In der Ordenskirche ist es anders, er liegt nach Norden. Der Grund dieser ungewöhnlichen Anordnung ist die Einbindung der Kirche in die Flucht der barocken Stadtanlage auf das ehemalige Ordensschloss des Markgrafen hin, das an der heutigen Bernecker Straße steht. Vor uns erhebt sich ein Orgel-Kanzelaltar, dessen Farben nach oben hin immer strahlender werden. Es ist das erste große Altarwerk aus der Meisterwerkstatt von Elias Räntz. Gehen wir einige Schritte auf den Altar zu. Der Bereich um die Kanzel ist wie ein Tor gestaltet, genau so, wie wir es bereits vom Hauptportal her kennen. In der Mitte zwischen den Säulen befindet sich in dieser protestantischen Kirche kein Heiligenbild, sondern farbig abgesetzt der Kanzelkorb, gleichwie der Taufstein aus rosen-farbenem Marmor gestaltet. Durch dieses Tor lässt uns Elias Räntz einen Blick in den Himmel tun. Wir sehen Gott Vater und Gott Sohn, beide in goldenem Gewand mit einem Zepter in der Hand vor einem goldenen Strahlenkranz. Der Heilige Geist findet sich in Gestalt einer Taube an der Unterseite des Kanzeldeckels. Die Verkündigung des Wortes Gottes ist die Botschaft aus dem Himmel. Die Orgel, deren Positiv hinter und über dem Portal angebracht ist, trägt mit dem Gesang der Gemeinde den himmlischen Lobgesang.

 

Altar

Altar

Altar

Markgrafenloge und Ritterwappen

Wir wenden uns der dem Altar gegenüberliegenden Seite zu. In die umlaufende Empore ist eine große Loge eingebaut, die herrschaftlich in den Kirchenraum hineinragt. Sie weist bis auf die vier weißen korinthischen Kapitelle der Pilaster keinerlei verspielten Zierrat auf und wirkt dadurch sehr vornehm. Die Loge war der Platz für den Stifter und Bauherrn der Kirche, den Markgrafen Georg Wilhelm. Einziger Schmuck ist ein roter Samtbehang (im Bild links nicht zu sehen) mit eingesticktem Wappen, Initialen und Ordensband, der sich über die ganze Brüstung zieht. Georg Wilhelm hat sich St. Georgen als seine eigene Stadt bauen lassen, als sein Vater Christian Ernst die Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth regierte und er noch Erbprinz war.  Der Kirchenbau war von Anfang an in die Stadtplanung einbezogen, der Zweck der Kirche war ein dreifacher:

  • Einmal baute er für die Gemeinde seiner neuen Stadt eine Pfarrkirche.

  • Weiterhin zeigt uns der ursprüngliche Name "Sophienkirche", dass sie für ihn auch Familien- und Hofkirche war. Die Mutter des Markgrafen hieß "Sophie Luise, seine Gattin "Sophie" und seine Tochter "Christiane Sophie Wilhelmine".

  • Schließlich aber war sie der geistliche Versammlungsort für den von ihm gegründeten "ordre de la sincérité", den Orden der Aufrichtigkeit.

Georg Wilhelm legte fest, dass sich die Ritter seines Ordens alljährlich in der Kirche einzufinden hätten, und zwar am Georgstag, dem 23. April. Der Georgstag 1711 ist auch das Datum der Kirchweihe, die in den Häusern und Gaststätten von St. Georgen noch heute begangen wird. Ebenso legten die Statuten des Ordens fest, dass seine Mitglieder ihre Familienwappen in der Kirche anzubringen hätten. Es sind insgesamt 83 Tafeln; die ersten stammen aus dem Gründungsjahr 1705, die letzte ist von 1768. Auch wegen dieser prägenden Fülle von Wappentafeln hat sich der Name Ordenskirche durchgesetzt. Die Mitglieder des Ordens waren Hofleute und Adelige, hochrangige Militärs und markgräfliche Minister. Sein offizieller Zweck war die Pflege von Aufrichtigkeit und Redlichkeit untereinander, vor allem aber diente er dem absolutistischen Repräsentationsbedürfnis des Erbprinzen und späteren Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth.

 

Markgrafenloge

Markgrafenloge

Markgrafenloge

 

Die Gemälde, eine Bibel in Bildern

Die Bilder der Decke stellen Szenen aus dem Neuen Testament dar. Gemalt hat sie Gabriel Schreyer. Insgesamt sehen wir eine wirklich eindrucksvolle Bilderbibel, die uns auf ihre Weise die Geschichte Gottes mit den Menschen vermittelt. Der Stuck ist dabei mehr als nur Dekoration. Akanthusblätter wachsen aus den Umrahmungen, Füllhörner schütten Blattgirlanden, Blüten, Reben, Weintrauben, Granatäpfel aus: Zeichen dafür, dass die biblische Botschaft etwas Lebendiges ist, dass sie Frucht bringt, schließlich, dass das Himmelreich mit einer sinnlichen Erfahrung verbunden sein wird - ein Fest im Angesicht Gottes. Unter der ersten Empore hängen rings um den Kirchenraum 12 große Bilder. Inhalt ist die Leidensgeschichte Jesu vom letzten Abendmahl (rechts hinter dem Altar) bis zur Auferstehung. Gestaltet ist diese Reihe nach einer Bildfolge in der St. Anna-Kirche zu Augsburg aus dem Jahre 1686. Der Kronleuchter, 1858 von Magdalena Schmidt aus St. Georgen gestiftet, ist eine Arbeit des Bildhauers Lorenz Scheidig aus Fürth.

 

Gemälde

Gemälde

Gemälde

 

Die Glocken

Die Ordenskirche hatte zunächst drei kleinere Glocken, die bereits 1714 von Johann Conrad Roth in Forchheim gegossen wurden. Die zwei kleineren läuten heute noch, die dritte wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. An ihrer Stelle wurden 1953 von Karl Czudnochowsky in Erding zwei neue Glocken gegossen, um die Tonfolge zu optimieren. Im Jahr 1722 hatten die Ordensritter die große Glocke gestiftet, die von Christoph Salomon Graulich in Hof gegossen wurde und 22 Zentner wog. Nach ihren Stiftern wurde sie Ritterglocke genannt. Leider brach sie im Jahr 1986 unmittelbar unter der Aufhängung; nur das starke Gebälk verhinderte den Absturz. Sie wurde durch eine neue Glocke in derselben Größe ersetzt. Sie stammt aus der Karlsruher Glockengießerei und hat ein Gewicht von 1340 kg. Das jetzt fünfstimmige Geläute hat die sehr harmonische Tonfolge es - ges - b - des - es

 

Glocken