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ZUR BESINNUNG

Eine Ente auf dem Wasser (Foto: Friederike Lippert) (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Eine Ente auf dem Wasser (Foto: Friederike Lippert)
Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1 Korinther 3,11)

 

Freundlich und unbeschwert schaut sie mich an, die kleine Ente. Getragen wie auf weichen Kissen in dem wundersam glitzernden Wasser. 

 

„Getragen“ 

Was für ein großes Wort. Getragen von Gottes Segen sind wir. Getragen von Freude, von Glaube und Hoffnung, getragen von Liebe. 

 

Wissen wir eigentlich, was uns trägt? 

Es überrascht uns, dass wir Gott in der Tiefe begegnen. Haben wir ihn nicht eigentlich oben gesucht, im Himmel, oder so? Aber Gott ist in der Tiefe zu finden, weil er sich zu denen, die am Boden liegen, gesellt. Gott ist ein heruntergekommener Gott, buchstäblich herunter gekommen. Alles Schwere kennt er – er hat es getragen in Jesus Christus. Hinabgestiegen in das Reich des Todes, sein Blut vergossen für unsere Sünden. Und er lädt uns ein: Mach’s wie Gott, werde Mensch – für mich die beste Definition von Humanismus. Wo wären wir ohne die Generationen, die unser Land aufgebaut haben, ohne achtzig Jahre Frieden, ohne die Bildung und Ausbildung, die jeder in unserem Land gratis erhält? Generationen vor uns haben gearbeitet, geliebt, gehofft und geglaubt. Ist uns eigentlich klar, wie grundlegend es ist, dass wir uns darauf verlassen können, dass Nachbarn, Geschäftspartner und Beamte ehrlich sind? Unsere Gesellschaft hat ein „Wertefundament“, wie gut! 

 

Die Ente bringt mich zum Nachdenken über unsere Gesellschaft. 

Unter den Werten liegt der Glaube. Im Gottesdienst machen wir uns auf die Suche danach. Wir merken leider auch: Das Fundament ist nicht mehr selbstverständlich – als ob der Weiher langsam Wasser verlieren würde. Darum kommen wir zum Gottesdienst zusammen, lesen in der Bibel, werden still zum Gebet. Wichtig ist, auch die Jüngeren mit hinein zu nehmen. Wenn uns das nicht mehr gelingt, dann schwimmen wir im eigenen Saft toter Traditionen. Irgendwann wird dann niemand mehr die Tiefen des Glaubens erforschen, und dann werden sie auch nicht mehr tragen. Die Millennials und ihre Kinder müssen heute ihren eigenen Weg finden zwischen doppelter Berufstätigkeit und Elternschaft. Social Media beanspruchen ihre Aufmerksamkeit und sie finden keine Zeit, an Gott zu denken. Etliche sind nicht hier geboren und sind als Kinder nicht wie wir hineingewachsen in den christlichen Glauben. Manche meinen, weil hauptsächlich Senioren in die Kirche kommen, müsste Kirche vor allem für diese da sein. Ich denke, im Gegenteil: Sie sind doch die Starken im Glauben, noch in christlichen Familien aufgewachsen, haben Tischgebet und Choräle gelernt, sie sind die Stützen unserer Gemeinde. Gemeinsam mit ihnen müssen wir die nachfolgen den Generationen gewinnen.

 

Lassen wir uns doch tragen, von dem, der selbst die Liebe ist.

Suchen wir gemeinsam nach dem Grund unseres Glaubens. Gott hat uns zu den Menschen gemacht, die wir sind. Tauchen wir ein in das Wasser seiner Liebe und spüren wir: Es trägt. Lasst uns hoffnungsfroh leben aus der Kraft Gottes, die in der Tiefe ist, lasst uns glaubensvoll handeln und liebevoll dazu einladen. 

 

Gott segne unsere Gemeinde und alle ihre Glieder 

Ihr Pfarrer Otto Guggemos