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Heute 18 Uhr Verabschiedung Pfr. Jehnes


Bild zur Meldung: Heute 18 Uhr Verabschiedung Pfr. Jehnes

Liebe Gemeinde,
am 21. Mai um 18.00 Uhr werde ich aus dem Gemeindedienst in unserer Kirchenge-
meinde St. Georgen in den Ruhestand bzw. in die Freistellungsphase der Altersteilzeit verabscheidet.

 

Erlauben Sie mir einige persönliche Worte zum Abschied.

 

Das Evangelium von Jesus Christus hat zwar seine eigene Qualität unabhängig von uns
Menschen, aber ohne das Spüren einer gewissen Resonanz würden Verkündigung und
Gemeindearbeit sehr schwer fallen. Das ist wie bei Musikern. Deshalb:
Danke für alle Resonanz, die ich erfahren durfte!
Wichtig war mir, dass Jung und Alt sich gemeinsam in unserer Gemeinde beheimatet
fühlen; dazu und zum gemeinsamen Hören auf das Evangelium von Jesus Christus sind
unsere Kirchen und Gemeindehäuser vor Ort gebaut worden. Das Wahrnehmen von
Resonanzräumen braucht eben auch gute Räume in der Nähe der Menschen. Das ist
und bleibt meine Überzeugung. Deshalb haben wir 2014 ja auch das Haus der Begeg-
nung neu errichtet.
Es waren eher die kleinen Zeichen, die mir wichtig waren: Das Mühen um eine zeitge-
mäße Sprache ohne Floskeln. Eine gute Mischung bei den Liedern und die Begleitung
mit der Gitarre in den Gemeindehäusern, gerne auch zusammen mit Musikerinnen und
Musikern wie Iris Meier, Eduard Hubert und Ursula Brückner. Das Basteln der Konfi-
kerzen im Haus der Begegnung, die den Erwachsenen zeigten: Wir Jugendlichen sind
da und wir gehören dazu. Ihre selbst gestalteten Vorstellungsgottesdienste, auf die
sich alle in der Gemeinde immer sehr gefreut haben. Die Krippenspiele am Heiligen
Abend. Die schönen Seniorennachmittage, Ausflüge und die guten Bibelgespräche. Das
ökumenische Miteinander bei den Exerzitien.
Es hat mir sehr gut getan, in St. Georgen Mitchristinnen und Mitchristen gefunden zu haben, von denen ich mich in meinen Dienst getragen fühlen konnte, ganz besonders im Haus der Begegnung, aber natürlich auch in der Stiftskirche, in der Ordenskirche, im Gemeindehaus „Hinter der Kirche“ und im Gemeindehaus Hammerstatt.  Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken, denn es ist nicht selbstverständlich.

Vieles davon lief in den vergangenen zwei Jahren nur noch auf Sparflamme oder ging
überhaupt nicht mehr. War ich früher glücklich über ein sonntäglich volles HdB, so
musste man nunmehr die Besucherzahl beschränken.  Wer hätte sich das jemals vor-
stellen können?
Meine Frau Anita musste ihre Engagements in der Gemeinde ja leider bereits zwei
Jahre vor „Corona“ wegen ihrer massiven Hörprobleme beenden. Und als die Entschei-
dung bei mir fiel – Altersteilzeit ja oder nein, und das auch noch fast gleichzeitig mit
Martin Bachmann – meldeten sich auch meine Probleme mit den Ohren gerade wieder
sehr massiv. Damit war die Entscheidung klar. Gottseidank wurde es wenigstens bei
mir wieder gut.
Vieles muss jetzt – nach „Corona“ –  wieder neu anlaufen. Ich bin mir nicht sicher, ob
ich zum Mitgestalten des Neuen nach immerhin 20 Jahren in unserer Gemeinde die
Kraft hätte. Ich bin mir aber dessen gewiss, dass sich immer wieder Menschen finden,
denen die Mitarbeit in unserer Gemeinde und unserer Kirche insgesamt am Herzen
liegt, weil sie sich mit Jesus verbunden wissen und aus dem Evangelium Kraft und
Hoffnung schöpfen. Damit aus dem Umbruch dieser Zeit ein Aufbruch wird.
Die Konfifreizeit Mitte April war schon mal ein riesiger Lichtblick!
Ich denke immer wieder an ein Lied von Sybille Fritsch und Fritz Baltruweit,
das ich in der Friedensbewegung in den 80er Jahren während meines Studiums
kennen und schätzen gelernt habe:
  In der Mitte der Nacht
  liegt der Anfang eines neuen Tags,
  und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung.

Daran glaube ich auch im Hinblick auf den durch Krieg und Gewalt bedrohten und
zerstörten Frieden.
Ich bin mir meiner Grenzen sehr bewusst. Bei weitem nicht alle Menschen konnte ich
ansprechen. Manches habe ich versäumt. Dafür bitte ich alle, die es betrifft, um Nach-
sicht und Vergebung. Wenn aber der ein- oder die andere auch getröstet, gestärkt oder
angeregt wurde bei einer Beerdigung, in den Gottesdiensten oder bei anderer Gelegen-
heit, dann genügt mir das völlig, und ich gehe insgesamt glücklich und zufrieden aus
dem aktiven Dienst unserer Gemeinde.
Ich danke allen  Ehrenamtlichen und dem Team der Hauptamtlichen herzlich für alles
gute Miteinander.
Und weil ich Musik in fast allen Stilrichtungen sehr liebe:
Bei der ein- oder anderen Aufführung von Michael Lippert wird man mich bestimmt
mal wieder sehen.
à Dieu – Gott befohlen – und „Auf Wiedersehen“,
Ihr Pfarrer Friedrich Jehnes